• Deutsch
  • English
Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist PBM?
Das Patient Blood Management (PBM) ist ein klinisches Projekt zur Steigerung der Patientensicherheit. Wie in Abbildung 1 dargestellt, wird das Projekt von drei Säulen getragen, die jeweils eine Vielzahl von Einzelmaßnahmen bündeln. Das grundsätzliche Ziel von Projektes ist es patienteneigene Blutressourcen aufzubauen, sie zu schonen und vollständig auszuschöpfen.

Abbildung 1
Abbildung 1: Die drei tragenden Säulen des Patient Blood Management-Projektes.

Die Erfahrung hat gezeigt, dass die Implementierung der einzelnen Maßnahmen in den klinischen Alltag häufig einige Zeit in Anspruch nehmen kann. In Abhängigkeit von den lokalen Gegebenheiten kann sich die Umsetzung einzelner Bestandteile als besonders herausfordernd herausstellen. In diesem Zusammenhang ist es von großem Vorteil, dass die Implementierung stufenweise erfolgen kann. Tatsächlich gehören einzelne Maßnahmen oft schon zur Routine der modernen medizinischen Praxis.


Mit welchen Personen muss im Vorfeld der Implementierung gesprochen werden?
Abbildung 2 gibt eine Übersicht über die verschiedenen Instanzen, die bei der Umsetzung des Projektes in den klinischen Alltag wichtige Rollen übernehmen. Auch wenn die Entscheidungen über blutaufbauende und/ oder sparende Maßnahmen letztendlich durch die medizinische Seite getroffen werden, ist die Organisation des Projektes von vielen nicht-medizinischen Instanzen abhängig. Entsprechende Beispiele sind in Abbildung 2 in Form gestrichelter Kreise dargestellt. Folglich ist für eine erfolgreiche Implementierung von PBM eine interdisziplinäre Zusammenarbeit unabdingbar.
Initiale Schritte bei der Implementierung bilden das Gespräch und die Freigabe durch den Vorstand/ die Geschäftsführung sowie ein intensiver Austausch mit den lokalen Transfusionsmedizinern. So lässt sich der weitere Weg für die Interaktion mit chirurgischen Partnern ebenen. Um alle Aspekte von PBM umzusetzen und den Erfolg der Implementierung auch statistisch sichtbar zu machen, ist es von zentraler Bedeutung, die EDV-Abteilung, das Controlling, das Qualitätsmanagement sowie die Klinikapotheke und das Zentrallabor miteinzubeziehen.

Abbildung 2
Abbildung 2: Übersicht über die an der Umsetzung des Patient Blood Management-Projektes beteiligten Instanzen. Die erfolgreiche Implementierung erfordert eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen medizinischen (durchgezogene Umrandung) und nicht-medizinischen Abteilungen (gestrichelte Umrandung).


Gibt es Hilfe bei der Einführung?
Im Rahmen des deutschen Patient Blood Management-Netzwerkes begleiten wir (Uniklinikum Frankfurt) Kliniken bei der Implementierung von PBM in den klinischen Alltag. Dabei stellen wir den Netzwerkteilnehmern einen Leitfaden in Form einer To-Do-Liste zur Verfügung. In diesem sind sowohl organisatorische als auch administrative Schritte für die erfolgreiche Einführung eines umfassenden Patient Blood Managements aufgeführt.


Welche Kosten sind bei der Umsetzung zu erwarten?
Diagnostik und Behandlung einer präoperativen Anämie stellen zentrale Komponenten des Patient Blood Managements dar. In der überwiegenden Mehrheit der Fälle wird eine Anämie entweder durch einen Eisenmangel (Eisenmangelanämie ~ 40% der Fälle) oder durch chronische Erkankungen (Infektionen, Tumore, etc. ~40% der Fälle) hervorgerufen. In Abhängigkeit von Organisation und Planung der lokalen Anämieabklärung und -therapie können variable Personalkosten sowie relativ fixe und überschaubare Sachmittelkosten anfallen. So belaufen sich die Kosten für die Labordiagnostik einer Eisenmangelanämie (Transferrin-Sättigung, Ferritin, Differentialblutbild, Leber- und Nierenwerte, CrP) je nach interner Leistungsverrechnung auf etwa 8-30 Euro pro Patient.

Die Finanzierung der Arzneimittel kann über verschiedene Wege erfolgen:
- Klinikeigenes Budget
- Interdisziplinäre Kostenteilung mit chirurgischer Abteilung
- Bei ambulanten Patienten kann nach §14 Abs. 7 des Apothekengesetzes über die Krankenkasse abgerechnet werden. Vom Patienten selbst muss eine geringe Zuzahlung geleistet werden (rosa Rezeptschein). Patienten mit Eisengabe bestätigen per Unterschrift den Erhalt einer Eiseninfusion und erhalten anschließend eine Zuzahlungsrechnung der Krankenhausapotheke in Höhe von ca. 10 Euro. Die Rezepte können über die Klinikapotheke eingelöst werden, sodass dem Kinikum selbst keine zusätzlichen Arzneimittelkosten entstehen.
- Bei Privatpatienten können Labor- und Arzneimittelkosten per Rechnung extra verrechnet werden

Durch eine erfolgreiche Umsetzung von PBM und aller eingeschlossener Maßnahmen ist es potentiell möglich den übermäßigen Einsatz von Blutprodukten zu regulieren. Dadurch kann es zu einer Verschiebung der Kosten kommen. Eine umfangreiche Kostensteigerung ist dabei unwahrscheinlich.


Ist eine individuelle Aufklärung und Patienteneinwilligung notwendig?
Die Einführung von PBM entspricht der Einführung eines neuen Therapiestandards und betrifft demnach alle chirurgischen Patienten eines Klinikums/ einer Abteilung. Die erhobenen epidemologischen Daten dienen einer rein wissenschaftlichen Auswertung des Projektes. Eine individuelle Aufklärung und Einwilligungserklärung ist daher nicht notwendig.


Welche Möglichkeiten zur Dokumentation des Transfusionstriggers gibt es?
Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Dokumentation:
1) Papierbasierte EK-Anforderung (gilt i.d.R. für Patienten auf Normalstation oder im OP, wenn die Indikation bereits besteht)
2) Elektronische EK-Anforderung (gilt i.d.R. für Patienten auf Normalstation oder im OP, wenn die Indikation bereits besteht)
3) Als Begleitzettel für EKs etc. in Papierform (im Rahmen der Transfusion)
4) Bei der elektronischen Chargen-Dokumentation (nach Transfusion)


Wie ist es möglich Teil des deutschen Patient Blood Management-Netzwerkes zu werden?
In Abbildung 3 ist der Ablauf der Netzwerkbeitritts illustriert. Das Patient Blood Management-Team des Uniklinikums freut sich über jedes neue Netzwerkmitglied.

Abbildung 3
Abbildung 3: Verlaufsdiagramm zur Aufnahme in das deutsche Patient Blood Management-Netzwerk. 1Nachrichten an PBM-Initiatoren bitte an patientbloodmanagement@kgu.de senden; 2Für viele Kliniken in Deutschland liegt bereits ein Ethikvotum vor (siehe Abbildung 4), sodass ein formloses Anschreiben an die zuständige Ethikkommission, mit der Bitte um ein Zweitvotum, in der Regel ausreicht.


Abbildung 4
Abbildung 4: Zustimmende Ethikvoten in Deutschland. Positive Rückmeldung der Ehtikkommissionen (weiße Schrift) liegen für rot markierte Bundesländer vor. ÄK = Arztekammer, LÄK = Landesärztekammer, EK = Ethikkommission.


Welche Daten werden im Rahmen des Projektes allgemein ausgewertet?
Im Rahmen des Netzwerkes begleiten das Patient Blood Management-Team des Uniklinikums Frankfurt den Effekt der PBM-Einführung epidemologisch. Das bedeutet, dass nach Einholung eines Ethikvotums der jeweils zuständigen Ethikkommission PBM-Kennzahlen (z.B. EK-Verbrauch) erhoben und ausgewertet werden. Der gesamte Auswertungszeitraum umfasst dabei mindestens: (i) 12-monatige Kontrollphase vor der ersten Schulung, (ii) 3-6-monatige Einführungsphase, (iii) 18-monatige Evaluationsphase.


Welche Kenngrößen werden im Rahmen des PBM-Netzwerkes erhoben?
Bei stationären chirurgischen Patienten, die älter als 18 Jahre sind, werden folgende Daten erfasst:
- Nach ICD-10 verschlüsselte Aufnahme-, Entlassungs- und Nebendiagnosen
- Hämoglobinwerte bei Aufnahme und Entlassung des Patienten (Inzidenz der Anämie)
- Gesamtverweildauer auf der Intensivstation und im Krankenhaus
- Verbrauchsdaten von Blutprodukten und Gerinnungsfaktoren


Ab wann sollte mit der Schulung begonnen werden?
Sie können jederzeit mit Schulungen beginnen. Der Zeitpunkt der ersten Schulung gilt automatisch als Startzeitpunkt der Einführungsphase.


In welchen Zeitabständen sollten die Daten übermittelt werden?
Es wird eine Datenübermittlung im Drei-Monats-Rhythmus empfohlen.